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Zeuxis und die schönen Jungfrauen

Im Zentrum der dem Kamin gegenüberliegenden Wand steht die Geschichte des griechischen Malers Zeuxis von Heraklea und den schönen Jungfrauen, die Plinius im 35. Kapitel seiner „Naturalis historiae“ schildert: Zeuxis bekam von den Bewohnern von Agrigent den Auftrag, für ihren Juno-Tempel ein weibliches Bildnis zu schaffen. Der Maler wählte daraufhin fünf der schönsten Mädchen der Stadt, die ihm gemeinsam als Modell dienen sollten, um das jeweils Schönste an ihnen zu einem einzigen idealen Bildnis zusammenzufügen. Diese Geschichte, welche die Überlegenheit der Kunst gegenüber der Natur verbildlichen soll, greift die seit der Antike viel diskutierte Frage nach dem Verhältnis von Natur und Kunst auf. Vasari sah in der Natur die Lehrmeisterin der Kunst, die es jedoch nicht nur nachzuahmen, sondern zu übertreffen galt. Im Fresko selbst thematisiert er dieses Konzept durch die Gegenüberstellung zweier Sequenzen der Erzählung: Auf der rechten Seite werden die Jungfrauen zum Atelier des Künstlers geleitet. Ihr Weg führt an der vielbrüstigen Herme Diana von Ephesus vorbei, die in der Antike als Göttin Natura verehrt wurde. Auf der linken Seite steht Zeuxis in seinem Atelier vor der Staffelei, um im künstlerischen Schaffensprozess die Vorbilder der Natur zu einem vollkommenen Ganzen zusammenzufügen. Als Vermittler zwischen beiden fungiert der „disegno“, der nach Vasaris eigenen Worten auch „das Nachbilden des Allerschönsten der Natur“ bedeutet und in Gestalt einer nackten Jünglingsstatue im Zentrum des Freskos dargestellt ist.

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