Parole in libertà
Marinettis Meisterwerk „Zang Tumb Tuum“ (1914) ist das erste Buch, in dem eine praktische Anwendung der Forderungen, die in den Manifesten zu den „Parole in libertà“ festgehalten sind, erfolgt. Das Buch berichtet von der Belagerung der Stadt Adrianopolis, die der Autor 1912 selbst miterlebte. Der Text wird durch zahlreiche Kompositionen der befreiten Worte optisch und lautmalerisch begleitet, ein Faltblatt gibt die Empfindungen eines Piloten im Flug über die Stadt wieder. Eine Kuriosität stellt die sich in der Bibliothek befindliche Ausgabe von „Distruzione della sintassi - immaginazione senza fili – parole in libertà” (1913) dar, die mehrere handschriftliche Korrekturen aufweist, die eventuell von Marinetti selbst stammen. Francesco Cangiullo gilt neben Marinetti als einer der wichtigsten Autoren der „Parole in libertà“. Sein Werk “Piedigrotta” (1916), benannt nach einem gleichnamigen neapolitanischen Fest, verfügt über ein expressives Umschlagbild, das die ausgelassene Heiterkeit einer Feier wieder gibt.
Die „Parole in libertà“ stellen eine der wichtigsten Errungenschaften der futuristischen Literatur dar. Durch den Einsatz verschiedener Typen und Schriftgrößen, die den Wörtern emotionalen Ausdruck verleihen sollten, erwiesen sie sich als bahnbrechend für die Entwicklung der Typographie. Nach der Modernisierung des Inhaltes kam es zu einer Revolutionierung des Stils, die Tradition des linearen Schreibens wurde somit überwunden.
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