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Gustav Ludwig

Bei seinem Tod waren sich die Zeitgenossen einig: der heute fast vergessene Gustav Ludwig (1854-1905) war einer der herausragenden Kunsthistoriker seiner Generation. Nach einem Medizinstudium hatte er sich im Alter von 22 Jahren in London niedergelassen, um dort fast 20 Jahre als Arzt tätig zu sein. Zahlreiche Ausstellungen in der Themse-Metropole und die Freundschaft mit dem Kunsthändler Jean Paul Richter eröffneten ihm rasch einen Zugang zu kunstgeschichtlichen Fragestellungen. Als er 1895 aufgrund zunehmender gesundheitlicher Probleme gezwungen war, London zu verlassen und seinen Beruf aufzugeben, ging er nach Wien, wo er bei Theodor Frimmel Veranstaltungen zur Gemäldekunde besuchte. Schon hier zeichnete sich ab, dass Ludwigs Interesse weniger auf stilkundliche Fragen abzielte, sondern er vielmehr auf der Grundlage profunden Quellenstudiums um die Historisierung und Rekontextualisierung einzelner Objekte bemüht war. Dies prägte dann vor allem seine Studien in Venedig, wo er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte. Gleichzeitig machte sich Ludwig wie kaum ein anderer vor ihm das innovative Potential der Fotografie für seine kunsthistorischen Forschungen zu Nutze. Er trug nicht nur eine umfangreiche Fotosammlung zusammen, sondern ließ sich auch selber an der „Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie und Reproduktionsverfahren“ in Wien ausbilden, wo er u.a. mit Verfahren wie der Platinotypie, aber auch mit Techniken der Fotomontage vertraut gemacht wurde. Davon zeugen nicht nur die Handbücher aus seinem Besitz, die sich heute in der Bibliothek des Kunsthistorischen Instituts befinden, sondern auch eine eigene Aufnahme Ludwigs (Inv. 7439) sowie die fotografische Collage einer Altartafel, die 1838 zerschnitten und auf verschiedene Museen verteilt worden war (Inv. 8405).

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