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Palazzo dei Camerlenghi

1901 veröffentlichte Gustav Ludwig im „Jahrbuch der preußischen Kunstsammlung“ einen Aufsatz zu Bonifazio Veronese, in welchem er nicht nur mit Hilfe von Archivmaterial die bis dahin kaum bekannte Biographie des Veroneser Renaissancemalers dokumentierte, sondern auch eine Rekonstruktion der von Bonifazio nach 1529 ausgeführten Ausstattung des Palazzo dei Camerlenghi in Venedig vorgelegt. Die Gemälde mit biblischen Szenen und Heiligen, welche sich einst in den oberen Wandpartien einzelner Räumen des Palazzo befanden, waren 1806 entfernt worden und befanden sich nun verstreut in Venedig, Mailand, Modena und Wien. Um ihre ursprüngliche Anbringung möglichst genau zu rekonstruieren, hatte Ludwig die im venezianischen Staatsarchiv aufbewahrten Grundrisse des Palazzo kopieren und Wandaufrisse der Innenräume anfertigen lassen. Dieses Material, welches in der Photothek des Kunsthistorischen Instituts aufbewahrt wird, gewährt einen seltenen Einblick in das gedankliche Laboratorium des Kunsthistorikers. Denn in die Aufrisse hatte Ludwig, gemäß seiner Rekonstruktion, die fotografischen Aufnahmen der einzelnen Gemälde eingeklebt und zusätzlich in den unteren Wandkompartimenten den aktuellen Aufbewahrungsort der Gemälde sowie Jahreszahlen, die auf seinen Archivstudien basierten, verzeichnet. Wie stark Ludwig dieses Vorgehen als einen kreativen Prozess begriff, zeigt der Karton, der mit „Roher Versuch“ überschrieben ist (Inv. 8392). Diese „Versuche“ bildeten schließlich die Abbildungsvorlagen für seinen Aufsatz, wobei er bei einigen Vorlagen konkrete Anweisungen hinsichtlich ihrer graphischen Positionierung im Buch hinzufügte (Inv. 8404).

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