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Heilige

Heilige sind Mittler zwischen Gott und Menschen, und so auch zwischen göttlichem und menschlichem Recht. Als Patrone von Städten, Ordensgemeinschaften und weltlichen Korporationen sind Heilige daher vielfach als Protagonisten auf Siegeln dargestellt: so der hl. Jakobus auf dem Siegel von Pistoia oder die hl. Giustina auf dem Siegel der Rechtsdoktoren in Perugia, das auch das Reliquiar abbildet, in das ehemals die Büste mit der Kopfreliquie der Heiligen eingestellt war. Der hl. Martin ist häufig mit der emblematischen Szene der Mantelteilung visualisiert, wie auf dem Siegelstempel der Korporation der Luccheser Kaufleute in Venedig, die das Bild des Luccheser Dompatrons nach Venedig in venezianischer Formensprache transferiert. Das älteste Kloster des Ordens der hl. Brigitta in Italien zeigt die neue Heilige, wie sie die Äbtissin segnet. Die Rolle des Heiligen als Mittlers verdichtet sich paradigmatisch in der Figur des hl. Franziskus, dessen Stigmatisierung in der franziskanischen Theologie als Besiegelung durch Christus und damit als unmittelbare göttliche Bestätigung interpretiert wurde. Franziskus wird in der theologischen Auslegung gleichzeitig selbst zu einem Siegel, das seine Nachfolger besiegelt. Beide Aspekte werden auf dem Siegelstempel des Fra Perevano aus Perugia sichtbar, während das Siegel des Vikars der Franziskaner von Chiusi meisterlich die Begegnung des Heiligen mit drei völlig gleich aussehenden Frauen visualisiert, die ihn als personifizierte Armut begrüßen.

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