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Maria und Christus

Maria spielt in der Auslegung des Siegels als Metapher in der mittelalterlichen Theologie des Ostens wie des Westens eine zentrale Rolle. Auf italienischen Siegeln des Mittelalters und der Neuzeit ist sie sehr häufig abgebildet, wie bereits auf dem ältesten Stadtsiegel von Pisa, einer beidseitig geprägten Bleibulle, die zuerst 1160 bezeugt ist. Wie auch auf zahlreichen byzantinischen Siegeln, thront hier frontal auf der Vorderseite die Gottesmutter mit dem stehenden Christuskind. Auf dem Siegelstempel des Priors eines Kamaldulenserklosters ist Maria dagegen im Dreiviertelprofil und dem Christuskind zugewandt wie auf einer Bühne dargestellt, während der Siegelabdruck des Generalpriors des Ordens im oberen Siegeloval Christus als Halbfigur abbildet. Der Siegelabdruck von Kardinal Giovanni Battista Zeno zeigt Maria in einer modernen und eleganten Renaissancearchitektur, das Siegel des Francesco Todeschini Piccolomini und zukünftigen Papstes Pius III. hält dagegen betont an gotischen Formen fest. Christus ist als Protagonist zumeist als Gekreuzigter auf Siegeln visualisiert, wie hier auf dem Siegelstempel des Richterkollegiums in Lucca, das die berühmte Holzskulptur des Volto Santo abbildet, während der Siegelabdruck des franziskanischen Kardinalbischofs Matthaeus ab Acquasparta den Gekreuzigten zwischen Maria und Johannes im Stil aktueller zeitgenössischer Skulptur zeigt. Der Siegelstempel der Äbtissin des Klarissenklosters Santa Maria a Monticelli bei Florenz visualisiert dagegen den segnenden Christus in einer einfachen, aber eindrücklichen Bildsprache.

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